Kolumne: Über die CeBiT oder was noch davon übrig ist

Als ich vor 2 Jahren auf der CeBiT war hab ich sie so genommen wie sie war, und alle Eindrücke aufgenommen. Doch in diesem Jahr ist doch so einiges anders als zuvor. Schon vor der Anreise konnte ich auf dem Messeplan sehen das es in diesem Jahr viel weniger Hallen sind, die von Ausstellern genutzt werden. Doch als ich ankam und den Messerundgang machte stellte ich fest, dass es sogar Hallen gab in denen etwas sein sollte – aber die dann doch verschlossen waren. Somit sind es noch einmal weniger Hallen. Weiter ging es dann gegen den Uhrzeigersinn zu den letzten Hallen zu denen normale Besucher keinen Eintritt haben, da diese Hallen ausschließlich für Reseller offen standen. Somit sind im Vergleich zu vor 2 Jahren vielleicht nur noch die Hälfte der bisherigen Hallen für Besucher zugängig.

Auch die Aktionen auf der CeBiT haben stark abgenommen. Es gab zwar zahlreiche Präsenter Bereiche aber große Bühnen auf denen was stattfand, die waren selten. Selbst Bereiche großer Technikzeitschriften sind auf Präsenter Größe geschrumpft. Ein Highlight war da die Bühne von Tobit auf der Roboter einen Lap Dance präsentierten. Im Großen und Ganzen war Halle 2 die interessanteste da dort auch wirklich einiges los war. So haben Telekom, Samsung und Microsoft dort ihre Ausstellerbereiche.

Wie sah die Unterstützung für Aussteller durch die Deutsche Messe Hannover aus? Dieser Punkt sagt schon einiges aus. Gab es doch vor zwei Jahren in allen Hallen elektronische Terminals an denen man sich über alle Aussteller informieren konnte, gab es in diesem Jahr nur von Halle zu Halle einen aufgehangenen Plan. Somit erschwehrt das dem Besucher einen bestimmten Aussteller zu finden, denn man kann sich ja nicht erst von Halle zu Halle hangeln um sich erst dort zu informieren ob vielleicht nun in dieser Halle ein gesuchter Aussteller ist. Ja es gab zwar zentrale Infostände aber dort hieß es Schlange stehen, und oft gab es da auch keine konkreten Infos vom Personal.

Es gab einen Bereich da hatte ich echt Hoffnung gehabt dort etwas interessantes vorzufinden. Schlagwort “Code-n”. In der Halle 16 angekommen, war da schon eine interessante Atmosphäre doch hatte ich nicht mehr das Gefühl auf ein Welt Messe oder Messe von Welt zu sein, alles erinnerte sehr stark an sowas wie Jugend Forscht, aber selbst da bekommt man ja doch noch was zu sehen, nicht so aber hier. Kommunikation im Vordergrund, ok aber um hier sinnvoll einen Überblick zu bekommen, hätte man ja tatsächlich alle 50 Aussteller ansprechen müssen. Somit war man in dieser Halle etwas irritiert. Zum einen diese 50 Ministände und zum anderen die beeindruckende Installation vom Startup Code-n die eine Visualisierung von Big Data darstellt. Zumindest für Menschen für jene Big Data kein Begriff ist konnte man hier etwas präsentieren. Realistisch aber gesehen, hätte man 1.000 solcher Hallen gebraucht um der Realität von Big-Data nahe zu kommen.

cebit-halle9

Ein weiterer Anlaufpunkt war Halle 9 in der sich zum einen die deutschen Bundesländer präsentieren, und zum anderen die Bundesagentur für Arbeit einen großen Job und Karriere Bereich eingerichtet hat. Dort präsentieren sich Firmen die noch Personal suchen und die BA unterstützt dies mit Hilfe von beratenden Aktionen auf 2 Bühnen. Zahlreiche Aktionen waren rund herum zu besuchen. So konnte man zum Beispiel eine Typberatung oder Farbberatung, Beratung für Kleidung in Anspruch nehmen. Doch zwei Punkte sind sehr negativ aufgefallen. Zum einen waren die Unternehmen zum Großteil nur vermittelnde Firmen wie Zeitarbeit- und Rekrutierungsfirmen zum Thema Human Resource. Der zweite Punkt betrifft die Richtung in der gesucht bzw. profiliert wird. So ging es hauptsächlich um SAP. Okay SAP ist eine große deutsche Firma, aber Insider wissen längst dass SAP nicht das Allheilsmittel für Firmen ist. So ist Deutschlands erfolgreichste Firma VW noch bei DATEV geblieben.

Was waren so die Randerscheinungen der CeBiT?

  • Zum einen die Beweihräucherung von Firmen die selbst keine Erfolge vorweisen können, die immer nur vom Erfolg anderer profitieren. So zum Bsp. Call Center und Zeitarbeitsfirmen.
  • Weiter viel ins Auge für eines war immer gesorgt, genügend Möglichkeiten um sich zu verköstigen.
  • Hannover hat anscheinend ein neues Nahverkehrsnetz nebst U-Bahn, das so neu ist, das die Deutsche Bahn dieses noch nicht in ihre Verbindungssuchsystem eingebunden hat.
  • Ein ganze Halle wurde zur Moschee umfunktioniert.
  • Da viele Hallen nicht genutzt wurden, war oft ein Fußmarsch außerhalb nötig.

Fazit: Geht der Schwund jetzt Jahr für Jahr so weiter, kann die CeBiT zu machen, denn dann verdient sie nicht mehr den Titel Messe, dann reichen 1-2 Hallen, okay für die BA vielleicht noch eine Dritte. Eine Vierte als Moschee, eine fünfte als Kirche und als sechste eine Synagoge (moment ist Deutschland nicht christlich? warum gabs keine Kirche???), und welche Glaubensrichtungen – auch gerne genannt Religionen – gibts da noch so? Ja es geht ja darum das die CeBiT sich derzeit wandelt, vielleicht heißt es 2020 auf der CeBiT “Religionen im World Wide Web oder IT Berufe in der Religion oder so. Okay das ist jetzt sehr weit her geholt, aber die CeBiT verliert aktuell ihre Identität, upps war es die NSA? Identitätsdiebstahl???

PS: Warum kam man noch nicht auf die Idee die Besucher zu verwanzen? Um mal zu beobachten wie die Besucherströme so auf der CeBiT funktionieren? IKEA macht das ja schon lange! Das wäre doch sinnvoll, oder?