Kolumne: OneDrive und die polizeiliche Durchsuchung

Hand auf’s Herz: Cloud-Dienste wie OneDrive oder Google Drive oder so sind schon nützlich. Wer nutzt sie nicht für seine Daten? Gerade im Smartphone-Tablet-Zeitalter, in dem man gern mal aus der Hüfte schießt und allerlei Schnappschüsse macht, synchronisiert man die dann auch gern “in die Cloud”. Dort sind sie sicher, denkt man sich. Vor unbefugten Zugriffen, zum Beispiel.

Die Anbieter dürfen den Kram auch nicht unbedingt mehr weitergeben. Diesbezüglich haben ja alle Anbieter nachgebessert. Und so lädt man sich dann eben fleißig sein Zeug hoch und erfreut sich an dem. Man kann die Fotos der lieben Kleinen ja auch viel einfacher an die ganze Verwandschaft verteilen. Und so sitzt immer die berühmte “Oma Erna” mit auf dem Schoß, wenn Papa die ersten Gehversuche des Kindes fotografiert.

Nun hat mich der Caschy heute früh aufgeschreckt, dass ich fast meinen Kaffee verschüttet hatte. Da soll jemand “fragwürdige Bilder” zu OneDrive hochgeladen haben, und deshalb soll die Polizei bei ihm eine Hausdurchsuchung durchgeführt haben. Skandal! Wo bleibt der Datenschutz? Er erzählt vom bekannten Anwalt Udo Vetter, der den OneDrive-Nutzer vertritt, dem dies widerfahren ist. Der selbst ernannte Internet-Junkie hatte alles mögliche zu OneDrive hochgeladen. Auch für eigene Zwecke. Und das wurde ihm zum Verhängnis.

Nun ja, unter dem Material, was man da bei OneDrive fand, befand sich auch das eine oder andere schlüpfrige Foto oder Video. Na, wie das eben immer so ist. Man zeige mir den, der sich solche Dinge noch nie beschafft hat. Nur war da eben auch ein fragwürdiges Bild dabei, das die Scan-Mechanismen von Microsoft als Kinderpornografie einstuften. Und da sind nun einmal die Behörden zu informieren. Hier muss sich Microsoft an geltendes Recht halten. Und deshalb bekam der Nutzer auch Besuch von der Polizei.

Bevor wir nun aber sofort aufschreien, wie Microsoft wohl dazu kommt, unbescholtene Nutzer zu verpfeifen, sollten wir uns folgendes vor Augen führen: Kinderpornografie ist kein Allerweltsdelikt. Das kann jeder nachfühlen, der selbst Kinder hat. In meinen Augen kann dieses Delikt, dieses Verbrechen an den Menschenrechten von Kindern, nicht hoch genug bestraft werden. Wir erinnern uns sicher an die Berichterstattung rund um den Bundestagsabgeordneten Sebastian Edathy.

In den Nutzungsbedingungen weist Microsoft ausdrücklich darauf hin, dass Inhalte auf rechtliche Verstöße gescannt werden und (Kinder-)pornografische Inhalte ausdrücklich verboten sind und gegebenenfalls zur Anzeige gebracht werden. Damit hält sich der Redmonder Konzern an geltendes Recht, wie auch WPArea herausarbeitet. Sie verhalten sich so, wie es eben auch im Telemediengesetz und im Bundesdatenschutzgesetz steht. Und als Eltern würde dabei auch niemand Spaß verstehen.

Aber heißt das nun, dass ich von meiner Tochter kein Bild in leichter Badebekleidung bzw. – wie es bei Kindern normal ist – als Nackedei mehr zu OneDrive hochladen kann, weil mir der Software-Gigant dann gleich die Behörden auf den Hals hetzt? Nun ja, so schnell geht das ja auch wieder nicht. Die Scanner stellen ja fest, ob bestimmte Merkmale in der Fotosammlung sonst noch von dem Kind auftauchen. Sprich: Die Fotos vom Schulanfang meiner Tochter würden da genauso zu finden sein wie Fotos von ihr unter dem Weihnachtsbaum oder dergleichen. Außerdem werden Bilder des Nutzers auf typische Ähnlichkeiten mit dem Kind hergenommen.

Nein, wenn ich will und meine Tochter nichts dagegen hat (ich würde sie natürlich fragen), würden Fotos vom Strandurlaub natürlich bei OneDrive landen, um sie der Verwandschaft zu zeigen. Das hat nichts mit Kinderpornografie zu tun. Zudem: Meine Tochter taucht ja nicht in Fotodatenbanken für Kinderpornografie auf. Das muss aber bei dem oben beschriebenen Nutzer anders gewesen sein. Und deshalb kam es zu der Durchsuchung. Und das wird dann wohl jeder verstehen.

So, wie es Microsoft bei OneDrive zelebriert, machen es aber auch die anderen Cloud-Anbieter. Und ich halte viel davon. Nein, sie werden nicht die Urlaubsfotos weitergeben. Warum sollten sie das tun? Außer es passiert ein Fehler. Da wird derzeit auch viel übertriebenes Zeug erzählt. Aber sie werden Hinweise an die zuständigen Behörden geben, wenn der Verdacht besteht, dass verbotenes Material hochgeladen und ggf. sogar verteilt wird. Und das ist doch so etwas ganz schlechtes nicht.