Deutschland, deine Breitbandinitiative – Eine Anekdote aus dem “Neuland”

Es ist ja nun mal so, dass man nicht immer dazu kommt, alle Artikel der eigenen Kollegen zu lesen… Asche auf mein Haupt!
Unser Mirko hat sich allerdings hier zu einem Thema ausgelassen, wo ich dann doch einmal meinen Senf dazu geben muss.

Nun ist es ja so, dass sich unsere “GroKo” zum Ziel gesetzt hat, die gesamte Republik flächendeckend mit “Breitbandinternet” zu versorgen.
Klingt erstmal prima! ABER…

Was definiert die Politik denn überhaupt als “Breitbandverbindung”?
Nach einigen Recherchen habe ich herausgefunden, dass diese Begrifflichkeit bereits bei einer Übertragungsrate von 2 MBit/s Anwendung findet.
Ich selbst bin auch einer der “Glücklichen”, die mit “Dorf-DSL” gesegnet sind.
Das bedeutet, dass in unserem Ortsteil lediglich Bandbreiten zwischen 364 kbit/s – 4 MBit/s zu erreichen sind.

Für den Ottonormalverbraucher, der mal eben fix im Web suft, seine Mails checkt oder auf Facebook rumgeistert, mag das gerade so noch reichen.
Allerdings sei gesagt, dass unsere Gemeinde in einem aufstrebenden Wirtschaftsraum mit (grundsätzlich) optimaler Infrastruktur liegt.
DHL und der Flughafen Leipzig/Halle direkt vor der Tür, Direktanbindung zur Autobahn und genau zentral zwischen zwei Großstädten.

Jeder Gewerbetreibende würde sich bei solchen Standortbedingungen die Finger lecken, wenn es da nicht das “ABER” gäbe.

Nun gut… Die GroKo hat sich ja zum Ziel gesetzt, bis spätestens 2018 flächendeckend bis zu 50 MBit/s zu realisieren.
Das geht natürlich nur über Förderprogramme. Logisch! Seien sie vom Bund oder vom Land gefördert.

Doch wie läuft so eine Förderung überhaupt ab?

Da werden erstmal Bedarfe ermittelt, Ausschreibungen gemacht, Kostenvoranschläge bei diversen Netzbetreibern eingeholt und dann…
Richtig! Man nimmt das, was dem Staatssäckel am wenigsten zur Last fällt. Man entscheidet sich für das billigste Angebot.
In unserem Falle fiel die Entscheidung auf eine Richtfunk-Lösung des Anbieters PerlNet.

An und für sich finde ich die Technologie, die dieses Unternehmen anwenden will, sehr interessant. Okay… Über die Konditionen kann man streiten. Aber, die sind ja in der Regel verhandelbar.
Dumm nur, dass in unserem Falle eine Technologie den Zuschlag bekommen hat, welche rein von den geografischen Gegebenheiten denkbar schlecht geeignet ist, da manche Teile unserer Ortschaft mit einem Funksignal nur schwer erreichbar sind.

So… Und nun kommt der Knaller!
In den 90ern hatte die Telekom im Rahmen der Erschließung der neuen Bundesländer in unserem Ort das sog. OPAL/HYAS94-Glasfaser verlegt.
Leider stellte man erst im Nachhinein fest, dass das wohl doch nicht die optimalste Lösung war. Somit herrschte mehr als 10 Jahre in Sachen DSL Stillstand.

Im Zuge der Breitband-Initiative wollten wir den Branchen-Primus natürlich nicth ausschließen, so dass auch die Telekom unsererseits eine Anfrage bezüglich des Investitionsbedarfes erhielt.
Nachdem allerdings von der Konzernzentrale die Rückmeldung kam, dass ein Millionenbetrag nötig war, war das Unternehmen praktisch aus dem Rennen.

Okay… Pech gehabt, kann man jetzt sagen.
Interessanterweise erhielt ich dann kürzlich aus unternehmensnahen Kreisen die Information, dass das Unternehmen in absehbarer Zeit den Ausbau des “Vectoring” bei uns realisieren wolle, was eine Bandbreite bis zu 50 MBit/s realisieren würde.

Aber, moment mal… War da nicht was?

An genau diesem Punkt stellt sich mir die Frage, warum die Telekom ein Angebot unterbreitet, was eine Kommune nur ablehnen kann um dann selbst doch den Ausbau realisieren zu wollen?
Nicht nur, dass sich das Unternehemen damit selbst potenzielle Kunden verspielt. Drüber hinaus verschenkt es die Gelegenheit, den Ausbau mit staatl. Förderung zu realisieren. War es nicht so, dass diverse Netzbetreiber über die Kosten des Ausbaus klagten?

Ich möchte weder die Entscheidung von Kommunen oder Netzbetreibern in Frage stellen.
Doch wenn diese sich letztendlich widersprechen und nicht zweckmäßig unter allen Beteiligten Kommuniziert werden, so ist am Ende nicht nur das Ergebnis für alle ineffizient, sondern auch verdammt teuer.

Liebe GroKo…
Bevor ihr euch solch lobenswerte Ziele setzt, das “Neuland” für aller erreichbar zu machen, solltet ihr vielleicht erst einmal überlegen, wie ihr das Problem angehen wollt und mit allen Beteiligten reden, bevor Entscheidungen fallen.
Und auch die Netzbetreiber sollten sich einmal fragen, ob es zweckmäßig ist, Gewinne in notwendige Infrastrukturinvestitionen einzuplanen, wenn diese am Ende durch doppelte Kosten aufgebraucht werden.

Habt ihr bei euch einen ähnlich skurrilen Fall? Dann teilt es uns einfach mit!