Kolumne: Wie sich Smartphonehersteller selber schaden

Im regelmäßigen Takt bringen Hersteller von Smartphones immer wieder neue Geräte auf den Markt, dabei müssen sie den Kunden immer wieder etwas neues bieten. Doch dabei stellen sie sich selber nicht selten ein Bein. Auch ist es so, dass Hersteller oft zu Tricks greifen, um Kunden zu täuschen mit dem Ziel: Mehr Verkaufen als die Konkurrenz.

Preis schadet dem Verkauf:

Zwei Paradebeispiele zeigen, dass selbst gute Geräte schnell zum Ladenhüter werden, wenn der Preis zu hoch ist. Zum einen das Samsung Galaxy Alpha und zum anderen das Apple iPhone 5c. Beide sind vom Start an in den Regalen liegen geblieben, doch als dann die Preise purzelten, man vermerke auf ein erträgliches Niveau, stiegen die Absatzzahlen sprunghaft an. Warum dann die Hersteller nicht gleich einen guten Preis fordern(?) Die dachten vielleicht, sie haben hier den großen Wurf gelandet, was sie in Wirklichkeit auch taten, nur haben sie mit überteuerten Preisen den Verkaufsmotor von Anfang an abgewürgt.

Und auch hier trifft das Selbe zu, wenn Hersteller wie Samsung mit der neuen Galaxy-A Serie und HTC mit der One Serie ein Metallgehäuse oder Metallrahmen verbauen und den Preis gleich mal verdoppeln, sagen Kunden auch ganz schnell nein, selbst jene, die vorher genau diese Gehäuse gefordert haben.

Gleiches trifft auch zu, wenn man zum Flaggschiff diverse Minis raus bringt und diese unerträglich abspeckt, aber trotzdem Flaggschiffpreise verlangt. Das haben Samsung und HTC aber auch LG so getan. Sony hingegen hat nicht abgespeckt, und damit regelrechte Verkaufsschlager auf den Markt geworfen. Die Kompakten gelten so auf Amazon als Bestseller.

Schlechte Hardware vermiest den Verkauf:

Ein Lied davon singen kann HTC, die eigentlich immer Top Geräte auf den Markt gebracht haben. Doch bei der Kamera hatte HTC einen Griff in die Kloschüssel gemacht. Beim M7 war die Ultrapixel Kamera nicht jedermanns Sache, beim M8 und dessen Dual Kamera schieden sich ebenfalls die Geister. Aber beim M9 hat HTC voll und ganz den Vogel abgeschossen. Zwar hörte das Unternehmen auf den Schrei der Kunden auf mehr Megapixel, doch brachten sie trotz vieler Pixel nur Schrott. Besser machen das LG, Samsung und auch Apple. Und Sony schafft es auch mit extrem guter Software und viel Pixel ganz nach oben.

Wertigkeit oft gesucht lange vermisst:

Teure Plastikbomber mit Spaltmaßen aus dem Kaugummiautomaten vermiesen ebenfalls den Run auf diverse Geräte. Oft ist da zwischen Marke und Asia-Gerät kein Unterschied zu erkennen. Zum einen, weil die Hersteller aus Fernost recht gut geworden sind und die Markenhersteller schlechter. Doch in Wahrheit sind es hin und wieder auch mal ein und die selben Hersteller. Denn die großen Marken fertigen ihre Geräte immer häufiger nicht selbst und geben diese dann an Billigfertiger in China, bei denen dann Markengeräte unterschiedlicher Hersteller parallel gefertigt werden. Dass dann diese Fertiger schnell auf die Idee kommen, auch mal eigene Geräte herzustellen, ist dann die Folge. Angefangen wird dann mit Nachbauten, sogenannte Klone teurer Flaggschiffe. Mittlerweile haben Hersteller wie Huawei und Xiaomi den Sprung nach Europa geschafft. Und diese bieten dann gleichwertige Geräte zu einem weitaus günstigeren Preisen an. Ein echter Dauerläufer ist OnePlus… von Oppo.

Veraltete Technik als Neu verkaufen:

Hier ist Samsung absoluter Weltmeister mit seinen Value Editionen und Plus Versionen. Statt vorhandenen Geräten ein Software Update zu verpassen, werden alte leicht überarbeitet mit neuester Software verkauft. Samsung schafft dabei nur eines: Eine extrem große Fragmentierung der Palette. Das ist natürlich gewollt, denn nur wenn der Kunde keinen Überblick mehr hat, kann man diesem alles unterjubeln.

Auch HTC hat hier sein Süppchen zu kochen. Da kommen Geräte ohne jeglichen Sinn, ohne Struktur oder Strategie. Da werden Displays verbaut, die heute keiner mehr will (weil nicht mal einfaches HD), oder immer wieder Prozessoren verbaut, die für den Preis einfach kein Kaufargument darstellen. So werden 1,2 GHz SoCs nun schon seit 5 Jahren in Einsteiger Geräte verbaut.

Hohe Fragmentierung:

Wie schon zuvor genannt ist, die hohe Fragmentierung an Geräten eines der größten Probleme. Kunden haben keinen Überblick mehr, Hersteller haben mit dem übersättigten Markt zu kämpfen. Und am Ende gehen unterem Planeten die Rohstoffe aus. Bereits jetzt gelten die sogenannten “Seltene Erden” und “Lithium” als Rohstoffe, die bald knapp werden. Denken Hersteller nicht bald um, wird das Handy, ähm Smartphone schnell wieder ein Luxus Produkt.

Das perfekte Gerät ist von Herstellern nicht gewollt:

Immer wieder werden wir mit dem neuesten Chip angefixt, ein “Must Have” ist es dann für Kunden, mindestens ein mal im Jahr. Doch das, was dann auf Events so perfekt aussieht, können viele Geräte nicht halten. Wurde dann das eine Feature verbessert, wurde aber ein anderes oft verschlechtert. Oft sieht man das nicht sofort, aber spätestens im Alltag fällt das dann auf.

Grund ist, das ist von den Herstellern so gewollt. Natürlich könnten sie bereits heute das NonPlusUltra herstellen, aber was sollen die Hersteller dann die Jahre drauf noch verkaufen(?) Wie wäre mal ein echtes passendes Komplettpaket für ein Gerät, das dann auch mal 5-10 Jahre hält? Ein nachrüstbares? Ja, sowas wird bald kommen! Doch ist das allein dann Allheilmittel? Denn die Rüstbarkeit wird jetzt in der Entwicklungsphase so schön dargestellt, aber wird mit großer Sicherheit seine Grenzen haben, wenn es auf den Markt kommt. Grenzen, die künstlich durch Hersteller gesetzt werden.

Fazit:

Vieles kann man besser machen, aber vielleicht sollte man als Kunde sich auch mal an die eigene Nase fassen! Wir können eigentlich immer nur mit einem Gerät telefonieren, wozu brauchen wir dann mehr als eins? Auch braucht man nicht immer im Jahrestakt oder kürzer was neues kaufen. Kauft man gleich etwas wertiges, hält es auch hoffentlich länger und wird länger supported. Auch muss es nicht das teuerste, leistungsstärkste sein, das auch nicht länger hält wie ein gut situiertes Gerät.

Beachtet man diese Punkte, sehen Hersteller sich selbst bald in der Pflicht, auch umzudenken. Wenn der Run abnimmt und nicht mehr mit Masse Geld zu machen ist. Und wenn Kunden besser hinsehen, geben sich Hersteller auch mehr Mühe. Denn heute gibt es eine recht große Schwemme an Geräten, die nichts auf dem Markt zu suchen haben, weil nicht zu Ende entwickelt.

Selbiges gilt auch für die Software, die auf den Geräten läuft. Gerade erst bekommen viele Geräte Lollipop als Update, und es wird schon wieder auf Marshmallow gewartet. Und Lollipop ist noch immer nicht fehlerfrei.