Marktstrategien der Smartphone Hersteller

Natürlich lassen uns die Hersteller nicht in ihre Karten schauen, daher können wir nicht genau wissen, worauf sich gerade ein Hersteller ausrichtet. Dennoch können wir die nach Außen getragenen Anhaltspunkte nutzen, um ein Strategiebild eines Herstellers erstellen.

Die wichtigsten Hersteller auf dem deutschen Markt sind aktuell Samsung, Sony, LG, HTC und Apple. Doch was ist nun mit den alten Größen wie Nokia und Motorola(?), dazu dann am Ende. Hier möchte ich einmal von jedem dieser Hersteller ein Abbild deren Marktstrategien erstellen. Natürlich kann man sich über einige Kleinigkeiten streiten, weswegen dieses Abbild nur subjektiv sein kann. Was heißt, es stellt nur meine Meinung dar. Wenn ihr als Leser das Eine oder Andere etwas anders seht, dann schreibt euren Standpunkt in die Kommentare ohne aber andere Standpunkte anzugreifen. Eine Vielzahl von Meinungen zu dem wie und warum sind sehr willkommen.

LG Electronics:

Ich beginne mal mit dem auf dem Markt Drittplatzierten LG. LG ist ein Unternehmen, das bereits Ende der 90er hauptsächlich mit PC Monitoren den Markt aufgemischt hat. Auch der TV Markt wurde gerade von LG revolutioniert, auch wenn hier leider die Qualität, die wir von Sony und Samsung kennen, noch nicht erreicht werden konnte. Wo LG aber sofort punkten konnte, war die überwältigende Bedienungsoberfläche.

Als LG dann ins Smartphonegeschäft einstieg, konnte das Unternehmen zumindest mitreden und bot Geräte, die als sogenannte Volkssmartphone klassifiziert haben. Erst mit dem LG G2 konnte LG aus eine gute Marktposition einen Sprung schaffen, der das Unternehmen in die Top 5 brachte. Das LG G3 machte daraus den nun dritten Platz.

Doch wie hat LG das nur geschafft? Voraussetzung ist natürlich ein solides Gerät und ein solventes Unternehmen. Mit dem G2 brachte aber LG mehr als nur ein solides Gerät, es war ein High-End Gerät zu attraktiven Preisen. Da konnte kein Konkurrenzunternehmen mithalten. Zwar schwächelte das G2 noch, aber die Fehler, die LG damit machte, hat man beim G3 größtenteils behoben. LG zeigt also, man hat gelernt. LG erkennt seine Probleme und geht diese an, um es beim nächsten mal besser zu machen. Andere halten da verbissen an Dingen fest, die zu ändern sind. Und ja, das Unternehmen hat sich seine Konkurrenz angeschaut und auch da ein wenig abgeguckt.

So hat LG auch ein Mini ins Rennen geschickt, leider nur mit den selben mäßigen Erfolgen der Konkurrenz. Denn Kunden sind einfach nicht bereit, für ein kastriertes Mini weitaus mehr zu bezahlen, als das es das bei Geräten mit gleichen Spezifikationen der Fall ist. Ein Mini mit Moto G Daten zum Moto X Preis zu verkaufen, bestrafen Kunden sofort. Also ist es bei LG ausschließlich den Flaggschiffen G2 und G3 zu verdanken, dass das Unternehmen den letzten Schritt an die Spitze geschafft hat. Wobei aber das solide Funtament eher den anderen Serien wie der sehr beliebten L-Serie zu verdanken ist.

LG aber ist noch mehr als nur Hersteller, LG ist auch Entwickler und somit neben Samsung, das Unternehmen, das gerade bei gebogenen Displays zur Nummer 1 an der Weltspitze gehört. Genau diese Position könnte LG demnächst sogar zur Nummer 2 am Weltmarkt hinter Samsung befördern.

Samsung:

Samsung ist aktuell die unumstrittene Nummer 1 am Weltmarkt. Damit hat das Unternehmen in den letzten Jahren einiges richtig gemacht. Samsung baut ohne Frage die besten Displays und hat hier einen guten Qualitätsvorsprung zur Konkurrenz, das nur ein einziger Hersteller “Sony” ebenfalls erbringen kann.

Aber bei den eigenen Software Entwicklungen (TV Bedieneroberfläche, Bada OS uvm.) hat Samsung aber große Defizite. Dies aber schaffte Spielraum für die Konkurrenz. Bei TV wie oben geschrieben war LG unschlagbar.

Was Samsung mit eigener Software nicht schaffte, besorgte man sich eben woanders. Anfangs bediente sich Samsung auch bei dem Nummer 1 OS Symbian, schaffte aber zeitig genug den Absprung und setzte auch früh genug auf Android. Dennoch gab das Unternehmen seinen Eigenentwicklungen (Samsung Handsetplattform, bada, REX und nun Tizen) Spielraum. Doch nur Android brachte Marktanteile.

Samsung erkannte schnell, um am Markt sehr stark seien zu können, müssen alle Bereiche, selbst Marktnischen, besetzt werden. So folgte eine regelrechte Invasion des Marktes mit sehr vielen Geräten. Um hier sehr leicht diese Position zu besetzen, musste natürlich der Preis stimmen. So war es dann ein Flut von Plastikbombern, was Samsung auch sehr schnell zu schaffen machte. Denn die Kritik kam von jenen, die endlich wertige Geräte in den Händen halten wollten. das wiederum schaffte abermals Spielraum für die Konkurrenz wie HTC, Sony, Apple und Co.

Nun, aber eigentlich viel zu spät reagiert Samsung und startete mit dem Galaxy Alpha eine neue Serie, die A Serie, deren Geräte aus Aluminium bestehen. Aber hier der nächste Ärger für das Unternehmen, denn Samsung will zuviel Geld dafür. Somit ist die Zukunft dieser Geräte arg gefährdet. Wie und ob Samsung seine Marktposition halten kann, ist also in Frage gestellt und somit nicht sicher. Steht das Ende von Samsung also bevor?

SONY:

Sony ist als Sony Erricsson ein alt Bekannter und ist wie Nokia, Motorola und Siemens eines der ersten Unternehmen. Erst mit guten Eigenentwicklungen, dann wie Samsung mit Symbian OS. Hier hat Sony aber fast ein wenig verschlafen und relativ spät auf Android umgesattelt.

Doch auch zu erwähnen ist, Sony gehört heute neben Samsung im TV Geschäft zur Top Elite. Früher war es einmal Philips, doch die Holländer konnten im Digital TV Bereich keine Top Qualität erreichen. Hinzu kommt bei Sony auch die Vielzahl der Marktsegmente. Laptops gehörten zwar zu den Top Geräten, waren aber zu teuer. Aber bei der Spielekonsole Playstation ist Sony eine Größe die bisher oft angegriffen wurde (X-Box, Cube, Nintento etc.) aber nie schlagen konnte.

Der Smartphone Markt so musste Sony lernen ist nicht zu unterschätzen und so versuchte man mit der Xperia Serie sich am Markt zu positionieren. Doch was erst überhaupt nicht gelang, weil Sony in der Entwicklung immer hinter her hing. So wagte Sony einen neustart mit der Xperia Z Serie. Aber nicht das Xperia Z sollte den Start machen sondern das Z1, konnte aber mit dem Xperia Z einige Erfahrungen machen.

Die neue Z Serie sollte nun immer auf dem neuesten Stand sein, so heißt es nun seit dem Z1, jedes Halbjahr ein neues Flaggschiff. Im wechsel kommt noch das Compact und ein Tablet. Wie aber macht das Sony? Ganz einfach, man ändert nicht ganz soviel und packt immer das aktuell Beste und Neueste ins Paket. Gerade bei der Kamera sehen wir die Strategie. Gleich beim Z1 eine 20 MP Kamera zu verbauen, die wir ebenfalls im Z2, Z3 und sicherlich auch im Z4 wiederfinden. Somit hat Sony hier keine weiteren Entwicklungskosten für eine neue Kamera. Sony verbaut in allen Geräte immer den aktuell besten Snapdragon Prozessor, auch und gerade im Mini das Sony Compact nennt. Mit Erfolg, das Z1 Compact ist bei Amazon zum Bestseller geworden und das Z3 Compact ist Akku Sieger 2014 bei den Flaggschiffen noch vor dem großen Bruder Z3. Auch beim Gehäuse sehen wir nicht wirklich neues, von Anfang an bekommen wir hier ein Wasserdichtes Gehäuse mit Aluminium Rahmen. Auch ist Sony beim Android OS immer mit der aktuellsten Version dabei. Aktuell noch KitKat 4.4.4 aber Lollipop 5.0 steht schon in den Startlöchern.

Natürlich hat Sony noch weitere Serien wie die M, E und Style Serie welche in den unteren und Mittleren Segmenten angesiedelt sind. Hier will das Unternehmen sich noch weitere Marktanteile sichern. Zumindest gelingt ihm das mit der M Serie. Die E Serie hat meiner Meinung nach versagt. Die Style Serie hat noch nachhole Bedarf.

Doch leider heißt es nun, Sony erwäge den Verkauf der Xperia Marke, bzw. sucht einen starken Partner. Ich wünsche mit den Erhalt der Marke, denn meiner Meinung nach ist das was Sony da aktuell anbietet, sehr gut und empfinde es auch als das stabilste System dass es auf dem Markt gibt.

Apple:

Apple geht mit dem iPhone und allen anderen Produkten seinen eigenen Weg und bietet seine Geräte mit dem alternativen iOS an. Als es damals mit Macintosh Rechnern auf den Markt ging, wusste noch niemand, wo die Reise hin gehen soll. Apple ist alles andere als ein geniales Erfinder-Unternehmen, nein Apple sieht neue Entwicklungen, zählt eins und eins zusammen und macht daraus werbewirksam eine Komplettlösung, von der potentielle Kunden noch nicht wissen, dass sie diese einmal brauchen werden.

So entsteht jedes Jahr von Neuem ein regelrechter Hype mit und um das iPhone. Worüber mancher Nerd und Geek nur schmunzeln kann, was Apple mal wieder neues erfunden hat, zieht dennoch bei den Apple Kunden, die man aus genau diesem Grunde hin und wieder Apple Jünger nennt. Aber Apple ist genau das Unternehmen am Smartphone Markt, das maßgeblich verantwortlich für die Schwankungen der Smartphone Marktanteile ist. Jedes Jahr, wenn das neue iPhone kommt, ziehen diese wieder ordentlich an, und bereits im Januar, wenn wieder neue Geräte der Konkurrenz kommen, gehen diese wieder zurück.

Natürlich gibt es regionale Unterschiede, wie das Unternehmen aufgestellt ist. So gehören die Märkte von UK, USA und vor allem Japan zu den Spitzenmärkten des Unternehmens. In Japan ist Apple sogar Marktführer.

HTC:

Man muss stark überlegen, wie und wann HTC den Schritt zum Global Player schaffte. Fakt aber ist das gerade von HTC das erste Nexus Phone kam. Vor nicht allzu langer Zeit kam dann der Versuch eines Facebook Phones, welcher aber floppte. Bis kurz davor gehörte HTC zu den Top 5 Marktführern. Doch irgendwie hatte HTC sich ein Problem hausgemacht (man munkelt, der Grund lag in der Entscheidung Nvidia CPUs zu verwenden) und verlor massiv Marktanteile. Konkurs, Verkauf etc. standen zur Diskussion. Doch das Unternehmen konnte sich wieder fangen. Denn hinter HTC steht eine finanzstarke Familie, die ihr Baby nicht aufgeben wollte.

Mit dem legendären HTC One setzte das Unternehmen neu an und konnte wieder überzeugen. Ob es hier Parallelen zum Nexus One gab? So kam HTC nicht nur aus den roten Zahlen wieder raus, nein zu Hause war HTC wieder die Nummer 1. Das passierte zwar nicht von heute auf morgen, sondern dauerte über ein Jahr.

Aber auf einem Gerät baut sich Erfolg nicht allein auf, so musste HTC auch einsehen, es bedarf mehr. So bringt das Unternehmen seit geraumer Zeit kleine HTC One Klone auf die Welt, um dessen Erfolg zu mehren. So gab es zum einen ein starkes Design, das zudem perfekt in der Hand liegt. Und zum anderen mit dem One ein Premium Gerät, das ein Aluminium Unibody vorweisen kann.

Leider machte das Unternehmen noch einige Fehler, so setzte HTC auf eine Ultrapixel Kamera. Schlau gedacht zwar, aber vergessen, was es noch so gibt. HTC hatte zwar erkannt, dass man größere Sensorfelder braucht, um gute Nacht Fotos zu schießen, aber übersah, dass die Entwicklung in der BSI Fotografie weiter ging. Zu lange setzt HTC darauf. Dann ein zweiter Fehler, die Dual Kamera. Obwohl die Konkurrenz alles mit nur einer Linse schafft, braucht HTC wohl zwei dazu.

Nun ist seit dem HTC Eye alles wieder offen, und wir müssen abwarten, wie das HTC One M9 aussehen wird und welche Geheimnisse es birgt. Erst dann wissen wir, ob HTC den richtigen Schritt versucht.

Andere:

Es ist schon traurig, dass man unter andere gerade die Pioniere der Smartphone bzw. Handys findet. Siemens, Nokia und Motorola haben sich in den Anfängen den Markt aufgeteilt. Den deutschen Hersteller gibt es mittlerweile nicht mehr, die Zukunft des einstigen Marktführer Nokia ist ungewiss, und Motorola hat es gerade so noch geschafft zu überleben.

Zumindest bei Motorola gibt es eine Zukunft, die dem Moto G zu verdanken ist. Dieses Gerät ist die Nummer 1 bei Amazon unter den Bestsellern und hat sowas wie eine eigene Marktnische eröffnet und steht jetzt Pate für alle Geräte, die unter oder um die 200 Euro kosten. Wer sich dort positionieren will, kommt am Moto G nicht vorbei. Auch beim aktuellen Flaggschiff hat Motorola alles richtig gemacht. Nur wie geht es weiter? Aktuell agiert Motorola exklusiv in den USA, was bedeutet, keine Geräte wie das Droid Turbo für Europa. Und das, obwohl gerade dieses Gerät heiß begehrt ist. Schade, dass es kein Comeback des Razr Erfolges gibt.

Nokia muss leider erst einmal auf der Reserve Bank sitzen und die im Microsoft vertraglich festgehaltene Zeit abwarten und darf keine Geräte herstellen, dennoch läuft die Entwicklung auf Hochtouren. Und alles sieht nach einem Comeback aus. Die einstige Nummer 1 hatte nach dem Erfolg mit Symbian viele Fehler gemacht, einer davon hieß Microsoft und der falsche Weg mit Windows Phone. Zwar liegen dessen Marktanteile regional bei bis zu 7 Prozent, aber das ist nichts im Vergleich zur Marktführerschaft.

Es gibt natürlich noch viele weitere Hersteller, aber jedem zu beleuchten würde diesen Artikel sprengen und ins Unendliche führen. Darum soll erstmal an dieser Stelle Schluss sein. Ich hoffe, dass ihr in den Kommentaren noch reichlich Input gebt, wie ihr den Markt und die Unternehmen seht.

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